Akademie der Szenarien

12. 06. 2015  Akademie der Szenarien – drei oder mehr Zukünfte für Barkenberg +++ Wir präsentieren drei Szenarien als Antworten auf den demografischen Wandel: der Superbürgermeister, die Querdenker und die kollektiven Raumunternehmer +++ Die Werkstattreihe HausAufgaben läuft vom 10. – 20. Juni 2015 +++

Seminar & Workshop zur Entwicklung von Zukunftsoptionen für Ein- und Zweifamilienhausgebiete in Wulfen-Barkenberg im münsterländischen Dorsten als Teil des Denklabors der Regionale 2016. Dorsten schrumpft. Im Zentrum des Gebietes befindet sich die Neue Stadt Wulfen, Erbe moderner Stadtplannung aus den 1960er bis 1970er Jahren.

 

Kernfrage: Kann Barkenberg sich in den nächsten Jahrzehnten den aktuellen demografischen bzw. statistischen Trends widersetzen oder müssen alternative Wege gefunden werden, die sich opportunistisch oder kreativ mit den anhaltenden Entwicklungen auseinandersetzen? Welche Mechanismen werden dann die Produktion der Stadträume bzw. deren Revitalisierung beeinflussen? Welche räumlichen Effekte werden dann sichtbar?

 

 

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Szenario 1
Der Superbürgermeister – das Paradies erfolgreicher Reformen
Die Explosion der Mietpreismärkte in den begehrten umliegenden Metropolen und die Vorgabe des Bundes, die Neuversiegelung von natürlichen Flächen einzudämmen, führte zu einer Renaissance kleinerer Städte. Insbesondere Dorstens Stadtteil Barkenberg zieht mit einem relativ günstigen Miet- und Bodenpreisniveau und der Gunst vorhandener Infrastruktur Menschen aus den teureren Nachbarschaften in z.B. Münster und Düsseldorf an. Der verfügbare Raum macht die Entwicklungsoptionen sehr attraktiv im Gegensatz zu den beschränkten Möglichkeiten in den engen und teuren Innenstädten. Barkenberg ist eine pro-aktiven Kommune bzw. Stadt und bietet Raum für zukünftige Entwicklungen. Mit Unterstützung durch staatliche Förderprogramme für Mittelstädte zeigen langanhaltende soziale, stadtplanerische und ökonomische Reformen der lokalen Politik in Dorsten Erfolge. Kurze politische Wege und die enge Zusammenarbeit mit Bürgern führt zu maßgeschneiderten und erfolgreichen „Reglements von oben“ verbunden mit einem breit getragenen Optimismus.
Die Abwanderung konnte eingedämmt werden. Die Bildungsoffensive als Teil eines strategischen Masterplanes aus dem Jahr 2015 führte zur Verjüngung des Ortes. Migranten erhalten ein Integrationspaket, leerstehende Räume werden z.T. multikulturell genutzt. Der Stadtteil wird ein Musterbeispiel kommunitaren Zusammenlebens, alte und neue Familienmodelle bilden die Grundzellen der Gesellschaft. Das Vertrauen in die Politik ist groß. Die Bürger sind zu freiwilligen Steuerprämien bereit, um die Poilitik zu stützen. Die Mittel werden in öffentliche Projekte investiert und bilden Treffpunkte der Gesellschaft.

 

Szenario 2
Die Querdenker – Individuelles Labor der Ideen
Der Kampf der Politk gegen die „Windmühlen der Demografie“ scheitert. Der Ruf nach radikalen Reformen wird laut. Die Akzeptanz von Schrumpfung, Überalterung, Leerstand und der damit verbundenen Effekte ist unausweichlich. Gleichzeitig wächst der Sinn für alternative Lösungen im Umgang mit der desolaten Situation. Keine Nachbarstadt kann Vorbild sein; die allgemeinen Vorgaben der Bundespolitik sind nicht für Barkenberg gemacht. Ein eigener Weg muss gefunden werden. Die Politik einer breiten Authorisierung bereitwilliger Bürger ermöglicht in Anbetracht der Lage alles, was in der Macht steht, spielt jedoch eine passive Rolle in einer deregulierten Situation.
Die wohltuende Akzeptanz der Realität führt zu ungeahnten Modellen und Allianzen. Frische Planungsideen werden getestet. Architekturstudenten werden eingeladen, ihr erstes Werk in Barkenberg zu realisieren. Als Standort experimenteller Musterhäuser richten Fertighausanbieter ein Haedquarter und Testzonen ein, die Besucher aus allen Teilen von Norddeutschland anlocken. Wirtschaftliche Vergünstigungen locken Querdenker und Künstler herbei: Wildes Wohnen, kreativer Rückbau der nicht genutzten Bausubstanz (Gesundschrumpfen), große Gärten und weitläufige Landschaften erinnern an die Bilder der klassischen Moderne: Licht, Luft und Raum. An einigen Teilen findet Selbstversorgung statt, jedoch sind alle Aktionen isoliert voneinander und führen zu munteren Interaktionen eines facettenreichen Ortes und bilden ein Laboratorium individueller Aktionen.
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Szenario 3
Die kollektiven Raumunternehmer – Kreativstadt der Bürger
Ausgehend vom starken Vereinswesen ist die kreative Stadt der Bürger relativ unabhängig davon, ob die Politik erfolgreich ist oder nicht. Träger der Entwicklung ist die starke Bürgerschaft, die durch Bündelung der Kräfte mit einer breiten jedoch koordinierten Vielfalt an alternativen Lösungsansätzen die Entwicklung Barkenbergs positiv beeinflusst. Es bildet sich ein Generalverein, der die Interessen der nunmehr knapp 100 einzelnen Vereine bündelt und langfristige Ziele setzt. Träger der Entwicklung ist die starke Bürgerschaft, die Spatial Commons, die durch Bündelung ihrer Interessen (z.B. www.change.org) und alternative Lösungsansätze (z.B. http://de.howtopedia.org) in der Lage ist, die Entwicklung Barkenbergs zu beeinflussen.
Die gebündelte Kraft der kollektiven Selbstorganisation ist der Motor der meisten Entwicklungen einer zivilgesellschaftlichen Emanzipation in Barkenberg. Die Self-Made-City ist das Ergebnis von Bauguppen und Genossenschaften im weitesten Sinne. Selbst die behindertengerechten Rampen entstehen als Ergebnis kollektiver Anstrengungen im Handumdrehen, denn die oft bürokratischen Förderwege sind nicht mehr nötig. Dies ist die Zeit für Pioniere und Raumunternehmer: Pilotprojekte, Raumexperimente, (…)

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Die Arbeiten wurden auf  2,30 x 2,70 m großen Lichtboxen präsentiert.

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Department D6 Städtebau
Prof. Joachim Schultz-Granberg
Team: Jan Bockholt, Sebastian Krabbe, Almar de Ruiter
fh-muenster.de/D6

Teilnehmer: David Rieke, Alina Schlingmann, Fenja Wienhausen, Franziska Adler, Anna Ulbert, Benedikt Göbel, Christian Kötte, Katharina Heusinger, Maximilian Timmermann, Philipp Kortüm, Manuel Meyer, Stefan Degott, Marlen Sartorius, Lutz Euhus, Lena Weiss, Niklas Fuchte, Oliver Giebels, Femke Leeflang, Tim Christossek, Phatarapol Jampa, Titus Wiehagen, Anna Gerber

 

Hintergrund: HausAufgaben 
Eine Werkstattreihe zur Zukunft von Einfamilienhausgebieten der 1950er bis 1970er JahreUnter dem Motto „ZukunftsLAND“ sucht das westliche Münsterland im Rahmen der Regionale 2016 neue Wege in die Zukunft. Ein Thema ist der Umgang mit den sich abzeichnenden städtebaulichen Herausforderungen in den Einfamilienhausgebieten der 1950er bis 1970er Jahre. Nicht nur der vielfach notwendige energetische Umbau steht vielen dieser Siedlungen bevor, auch betrifft vor allem der demografische Wandel die meist sehr homogenen Bewohnerstrukturen. Parallel verändern neue Lebens- und Familienmodelle die Wohnungsnachfrage nachhaltig.

 

Die Regionale 2016 hat im Jahr 2012 mit einem Projektaufruf „Innen Leben – Neue Qualitäten entwickeln!“  einen Diskurs über Planungsansätze zur Zukunft der Siedlungen initiiert. Eine Reihe von Strategien und Lösungsansätzen sind dabei bis heute in den Kommunen des Münsterlandes diskutiert worden. Da es sich bei den Immobilien aber um Privatbesitz und das Zuhause vieler Menschen handelt, können diese Ideen nicht so einfach umgesetzt werden. Veränderungen können nur gemeinsam mit Eigentümern gedacht werden. Hierzu fehlen vielerorts geeignete Beteiligungsangebote, so dass Kommunen oft vor verschlossenen Türen stehen.

 

Der Dialog mit den Bewohnerinnen und Bewohnern ist aber neben den baulichen, städtebaulichen und sozialen Fragen die zentrale Aufgabe, um die Gebiete auch zukünftig attraktiv zu halten. Im Rahmen eines regionalen Werkstattprozesses sollen daher die zukünftigen „HausAufgaben“ der Einfamilienhausgebiete der 1950er bis 1970er Jahre diskutiert werden. Ziel ist, gemeinsam mit Bewohnerinnen und Bewohnern über den anstehenden Strukturwandel und das Zusammenleben von morgen zu reden: mit Blick auf ihre Einfamilienhäuser sowie die Nachbarschaften und Quartiere.

 

Die Werkstattreihe „HausAufgaben“ startet im Juni 2015 mit einer 10-tägigen Auftaktwerkstatt in Dorsten-Barkenberg. Der Dialog wird fortgesetzt! An bis zu 15 Standorten im Münsterland will die Reihe dann bis Ende 2016 halt machen und über neue Formen der Auseinandersetzung und Kommunikation reden, die Spaß machen und Interesse wecken, über die Zukunft der Wohngebiete ins Gespräch zu kommen. Dabei kooperiert die Landesinitiative StadtBauKultur NRW mit der Regionale 2016 und ermöglicht es, dass der Dialog auch über das Münsterland hinaus fortgesetzt wird.

 

„HausAufgaben – Eine Werkstattreihe zur Zukunft von Einfamilienhausgebieten der 1950er bis 1970er Jahre“ ist ein Kooperationsprojekt der Stadt Dorsten, der Regionale 2016 und der StadtBauKultur NRW.

 

Quelle: http://hausaufgaben.ms/hausaufgaben/ (28.12.2016)